Die Beckenbodenmuskulatur ist eine oft übersehene, aber entscheidende Muskelgruppe für die Gesundheit von Männern und Frauen jeden Alters. Um die Funktion dieses wichtigen Bereichs zu überprüfen und zu verbessern, führen spezialisierte Physiotherapeuten einen Beckenbodenfunktionscheck durch. Dieser Check wird in der Prävention sowie in der Therapie eingesetzt.

Indikationen des Beckenboden-Funktions-Check

  • Inkontinenz und Harnprobleme: Männer und Frauen, die Anzeichen von Harninkontinenz oder anderen Blasenproblemen zeigen, können von einem Beckenbodenfunktionsscheck profitieren. Dieser Check hilft, die Ursachen für solche Probleme zu identifizieren und gezielte Therapieansätze zu entwickeln.

  • Probleme mit dem Stuhlgang: Verstopfung oder Hämorrhoiden können auf eine Dysfunktion im Beckenboden hinweisen. Durch den Check können gezielte Maßnahmen ergriffen werden, um die Stuhlgangregulation zu verbessern.

  • Inkontinenzprobleme im Alter: Im Alter kann die Kontrolle über die Blase oder den Darm nachlassen. Inkontinenz kann durch eine geschwächte Beckenbodenmuskulatur verursacht werden. Ein Beckenbodencheck kann dazu beitragen, die Ursachen zu identifizieren und gezielte Übungen zur Verbesserung der Kontinenz einzuleiten.

  • Nach der Schwangerschaft: Frauen, die eine Schwangerschaft durchgemacht haben, insbesondere nach einer vaginalen Geburt, könnten Veränderungen im Beckenboden erleben. Ein Funktionscheck hilft, mögliche Probleme frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

  • Vorbereitung auf chirurgische Eingriffe: Vor bestimmten gynäkologischen oder urologischen Operationen kann ein Beckenbodenfunktionsscheck nützlich sein, um den Ausgangszustand zu dokumentieren und den Rehabilitationsprozess zu unterstützen.
  • Chronische Rückenschmerzen: Der Beckenboden spielt eine entscheidende Rolle bei der Stabilität der Wirbelsäule. Menschen mit anhaltenden Rückenschmerzen könnten von einem Check profitieren, um festzustellen, ob Dysfunktionen im Beckenbodenbereich eine Rolle spielen.

  • Senkungsbeschwerden: Im Alter kann es zu einer Absenkung von Organen im Beckenboden kommen, was zu Druckgefühlen oder Schmerzen führen kann. Ein Beckenbodenfunktionscheck hilft, den Grad der Senkung zu bestimmen und Therapieoptionen zu besprechen.

  • Vorbereitung auf und nach der Menopause: Der hormonelle Einfluss während der Menopause kann Veränderungen im Beckenboden verursachen. Ein Beckenbodenfunktionscheck kann helfen, die Auswirkungen zu beurteilen und präventive Maßnahmen zu ergreifen.

  • Sexuelle Dysfunktion: Ein nachlassendes sexuelles Wohlbefinden kann auf Beckenbodenprobleme hinweisen. Der Check ermöglicht es, etwaige Muskeldysfunktionen oder Spannungsprobleme zu identifizieren und gezielte Interventionen vorzunehmen.

Ablauf des Beckenboden-Funktions-Check

  • Anamnese: Zu Beginn steht eine gründlichen Anamnese, um Informationen zu aktuellen Beschwerden, Vorerkrankungen, Operationen, Schwangerschaften und Geburten zu sammeln.

  • Funktionelle Tests: Es folgen Tests zur Beurteilung der Ansteuerungsfähigkeit, Muskelkraft, Koordination und Flexibilität des Beckenbodens. Dazu gehören auch der „Cough Stress Test“ zur Überprüfung auf Inkontinenz bei Husten oder Niesen sowie weitere manuelle Untersuchungen.

  • Ultraschall oder Biofeedback (optional): Je nach Bedarf können bildgebende Technologien wie Ultraschall oder Biofeedback zum Einsatz kommen, um eine weitere Beurteilung der Muskelaktivität zu erhalten.

  • Therapeutische Übungen: Basierend auf den Ergebnissen des Checks wird ein maßgeschneiderter Übungsplan entwickelt. Dieser kann z. B. Atemtechniken, Beckenbodenübungen, manuelle Techniken und andere therapeutische Ansätze umfassen.

Getestete Aspekte des Beckenboden-Funktions-Check

  • Muskeltonus: Überprüfung der Spannung und Entspannungsfähigkeit der Beckenbodenmuskulatur.

  • Koordination: Bewertung der koordinierten Zusammenarbeit der Beckenbodenmuskeln.

  • Kraft: Feststellung der Stärke der Beckenbodenmuskulatur in verschiedenen Positionen und Qualitäten.
  • Durchblutung und Gewebezustand: Beurteilung von Durchblutung und Gewebezustand durch manuelle Techniken und Sichtbefund.

Ein regelmäßiger Beckenbodenfunktionscheck kann dazu beitragen, potenzielle Probleme frühzeitig zu erkennen und die Lebensqualität zu verbessern. Es ist ratsam, sich bei ersten Anzeichen die auf eine Beckenbodendysfunktion hinweisen könnten oder spezifischen Lebensphasen, wie Schwangerschaft oder Menopause, an spezialisierte Physiotherapeuten zu wenden, um die Gesundheit des Beckenbodens zu fördern und zu erhalten.